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Cover: Das Licht von Bornholmsgaard

Belletristik

Das Licht von Bornholmsgaard

Mit KI erzeugt
Romanzeca. 33 Min.

Als Architektin Marlene Vossberg an der windgepeitschten Ostseeküste anreist, um einen alten Leuchtturm für den Abriss zu vermessen, rechnet sie mit allem — außer mit einem störrischen Wärter, einem dreibeinigen Kater und einer Küste, die sich hartnäckig in ihr Herz schleicht. Zwischen Salzluft, Wendeltreppe und einem deftigem Frühstück beim Dorfgasthaus stellt sich Marlene bald eine Frage, auf die kein Bauplan der Welt eine Antwort kennt. Manche Fundamente sind eben aus mehr gebaut als aus Stein.

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Anreise gegen den Wind

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:06

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Zum Mitlesen: Anreise gegen den Wind

Der Wind auf Bornholmsgaard hatte an diesem Nachmittag keine guten Manieren. Er kam von See herüber, roch nach Salz und Tang und griff sich alles, was ihm zu ordentlich erschien. Und Marlene Vossberg war an diesem Tag das Ordentlichste weit und breit.

Sie stieg aus dem Mietwagen, den sie am Ende der geteerten Straße hatte stehen lassen müssen, weil der Asphalt einfach im Sand versickerte wie ein Versprechen, das niemand halten wollte. In der einen Hand hielt sie einen silbernen Aktenkoffer, in der anderen kämpfte sie mit ihrem beigen Trenchcoat, der sich blähte wie ein Segel und sie beinahe zurück in Richtung Festland zerren wollte. Ihr anthrazitfarbener Hosenanzug saß tadellos, ihre dunkelblonden Haare waren zu einem strengen Dutt gebunden, und auf ihrer Nase, über der randlosen Brille, tanzten ein paar Sommersprossen, als lachten sie über den Rest von ihr.

Denn der Rest von ihr versank gerade. Ihre schmalen Lederschuhe, teuer, glatt und in der Stadt makellos, sackten bei jedem Schritt tiefer in den Dünensand. Achtunddreißig Jahre alt war sie und hatte in ihrem Leben schon manchen schwierigen Bauplatz betreten, aber noch nie einen, der sie derart auslachte.

„Nur ein Auftrag", murmelte sie gegen den Wind. „Vermessen, bewerten, abwickeln. Drei Tage. Höchstens vier."

Der Leuchtturm stand vor ihr, als hätte er kein Ohr für solche Pläne. Rot und weiß geringelt reckte er sich in den grauen Himmel, standhaft und ein wenig störrisch, und an seiner Spitze glänzte die Laterne wie ein müdes, halb geschlossenes Auge. Zu seinen Füßen duckte sich ein windschiefes Häuschen, und dahinter wogten Ginster und Dünengras in gelben und grünen Wellen.

Marlene stapfte näher, den Koffer wie einen Schild vor sich. Am Sockel des Turms stand ein Mann. Er war kräftig gebaut, mit wettergegerbter, sonnengebräunter Haut, kurzem graumeliertem Haar und einem vollen, dunkelbraunen Bart, in dem der Wind zu wohnen schien. Ein dicker blauer Wollpullover spannte über seinen Schultern, die Cordhose trug Ölflecken wie Orden, und in Gummistiefeln stand er breitbeinig im Sand, als gehöre ihm der ganze Erdball. Er wischte gerade mit einem Lappen über ein Messinggeländer, und um seine Augen lagen tiefe Lachfalten, die im Moment allerdings gar nicht zum Lachen aufgelegt waren.

„Zu", sagte er, ohne aufzusehen.

„Wie bitte?"

„Der Turm. Ist zu. Keine Führungen, keine Aussicht, keine Fotos." Jetzt hob er den Blick, und seine Augen musterten sie von den unpraktischen Schuhen bis zum zerzausten Dutt. „Und ehrlich gesagt, Fräulein, das nächste Café ist elf Kilometer zurück. Sie haben sich verlaufen."

Marlene straffte sich. „Ich habe mich nicht verlaufen. Ich bin genau da, wo ich hinwollte."

„Das", sagte er und rieb weiter am Geländer, „behaupten die meisten Touristen, kurz bevor sie ins Watt sinken."

„Ich bin keine Touristin." Sie setzte den Aktenkoffer im Sand ab, was ein Fehler war, denn er kippte sofort zur Seite. Sie ignorierte es mit der ganzen Würde, die ihr geblieben war. „Mein Name ist Marlene Vossberg. Architekturbüro Kwast und Partner. Ich bin hier, um das Grundstück und dieses Bauwerk zu begutachten."

Der Lappen hielt inne. Zum ersten Mal wandte der Mann sich ihr ganz zu, und irgendetwas in seinem Gesicht wurde hart wie nasser Fels.

„Begutachten", wiederholte er langsam. „Sie meinen, für den Abriss."

Der Wind fuhr zwischen sie und riss ihr fast die Brille von der Nase. Marlene fing sie mit einem Finger und hielt seinem Blick stand.

„Ich bewerte lediglich die Substanz."

„Ich bin Hennik Torban", sagte er, und sein Name klang wie eine Warnung. „Ich bin der Wärter hier. Und solange ich atme, wird niemand die Substanz dieses Turms bewerten." Er hängte den Lappen über das Geländer. „Sie können gleich wieder umkehren, Frau Vossberg. Fahren Sie, solange die Straße noch trocken ist."

[sighs]

Über der See ballten sich in diesem Augenblick die Wolken zu einer dunklen, grollenden Faust zusammen, und der erste kalte Tropfen fiel Marlene mitten auf die Sommersprossen. Die Straße, ahnte sie, würde nicht mehr lange trocken bleiben.

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