
Sachbuch
Zwei Fragen weiter — Warum ist Gähnen ansteckend?
Mit KI erzeugtEin Gähnen im Wartezimmer springt drei Reihen weiter — und schon beim Lesen dieses Satzes haben Sie vielleicht selbst gegähnt. Was hinter diesem merkwürdigen Reflex steckt, weiß die Wissenschaft erst zur Hälfte, und genau diese Hälfte ist die interessantere.
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Drei Reihen weiter
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 3:49
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Stell dir ein Wartezimmer vor. So ein richtig volles, beim Hausarzt an einem Montagmorgen. Alle Stühle besetzt, die Luft ein bisschen stickig, irgendwo raschelt eine Zeitschrift. Und dann, in der ersten Reihe, hinter so einem alten Wartezimmermagazin, gähnt jemand. Ganz laut, ganz herzhaft.
[laughs softly] Ich seh's direkt vor mir.
Und jetzt kommt's. Es bleibt nicht bei dem einen. Zwei Sitze weiter zuckt der nächste Mund. Dann die Frau am Fenster. Dann der Typ, der eigentlich auf sein Handy starrt. Es geht durch wie eine kleine Welle. Drei Reihen weiter, und keiner hat den ersten überhaupt richtig gesehen.
Und keiner hat's gewollt. Das ist ja das Verrückte. Niemand entscheidet sich zu gähnen.
Genau das. Und ich muss dir was gestehen, Elias. Ich hab diese Folge vorbereitet, oder? Zwei Tage lang Notizen gemacht, Studien gelesen, alles über dieses eine Wort.
Und?
Ich hab beim Lesen gegähnt. Mehrfach. [laughs] Nicht weil's langweilig war, das schwöre ich. Sondern einfach, weil ich die ganze Zeit über Gähnen nachgedacht hab. Über das Wort. Und zack, geht mir der Kiefer auf.
Und das ist überhaupt nichts Ungewöhnliches. Das ist sogar total gut dokumentiert. Du musst niemanden sehen. Du musst kein echtes Gähnen hören.
Warte, echt? Nur das Wort reicht?
Das Wort reicht. Der Gedanke reicht. Es gibt Menschen, bei denen springt es an, wenn sie einen Text über Gähnen lesen. Genau wie bei dir. Und ich sag dir was — statistisch gesehen hat gerade, in diesem Moment, ein Teil der Leute, die uns zuhören, schon mal geschluckt und den Mund ein bisschen aufgemacht.
[laughs] Nein. Du machst das jetzt absichtlich.
Ich mach gar nichts. Ich beschreibe nur. Das Thema selbst arbeitet mit.
Das ist ja unheimlich. Ich meine, überleg mal, wie selten das ist. Ich kann dir jetzt stundenlang von Hunger erzählen, und du kriegst keinen Hunger. Ich kann über Schlaf reden, und du schläfst nicht ein.
Genau. Da hast du den Punkt. Das ist das Besondere. Wir haben hier einen körperlichen Vorgang, der von außen angestoßen wird. Von einem anderen Menschen. Manchmal sogar nur von der Idee eines anderen Menschen.
Puh. Okay. Also, ich hätte gedacht, das sei so eine harmlose kleine Alltagssache. So auf der Ebene von — man streckt sich morgens, man reibt sich die Augen. Nebensache.
Das dachte ich auch lange. Und dann fängst du an zu graben und merkst: Das ist eins von diesen Alltagsrätseln, die harmlos aussehen und dann größer werden, je näher du rangehst.
Wie meinst du, größer?
Na ja. Fangen wir mal ganz simpel an. Frag dich zwei Sachen. Erstens: Warum gähnen wir überhaupt? Wozu ist das gut?
Sauerstoff, würde ich sagen. Aber das behalt ich mal für später.
[laughs] Behalt es. Wir kommen drauf, glaub mir. Und zweitens, die eigentlich spannende Frage: Warum, um alles in der Welt, springt dieses Gähnen von einem Menschen zum nächsten? Warum ist es ansteckend?
Und das ist die Frage, an der wir heute die ganze Zeit dranbleiben.
Das ist die Frage. Und ich sag dir vorab schon eins, ganz ehrlich: Die Wissenschaft hat sie bis heute nicht komplett gelöst. Wir haben gute Spuren. Wir haben ein paar Antworten, die richtig überraschend sind. Aber es gibt einen Punkt, da müssen selbst die Forscherinnen und Forscher sagen — wir wissen es noch nicht genau.
Okay, das macht mich sofort neugierig. Ein Rätsel mitten im Alltag, das keiner richtig geknackt hat. Also gehen wir dieser einen Frage nach. Und schauen, wie weit sie uns trägt. Wo fangen wir an?
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