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Cover: Der Zucker fällt vom Himmel

Geschichte

Der Zucker fällt vom Himmel

Mit KI erzeugt

Berlin, Sommer 1948: Die Sowjets haben alle Wege gesperrt, aber über den Dächern Tempelhofs brummt der Himmel im Drei-Minuten-Takt – und ein elfjähriger Junge wartet am Flughafenzaun auf ein einziges Tütchen Kaugummi. Trümmerwirtin Mine Kabsch hält ihre Suppenküche mit Trotz und Suppenkelle am Laufen, während der amerikanische Pilot Walt heimlich Schokolade abwirft und der schadenfreudige Hauswart Knobloch die Ostmark liebäugelt. Eine Geschichte über Hunger, Würde und die absurde Schönheit eines Himmels, der plötzlich Mehl regnet statt Bomben.

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Die Suppe und der Stein im Wespennest

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 3:18

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Die Suppe und der Stein im Wespennest

Man muss sich Wilhelmine Kabsch an jenem Morgen so vorstellen, wie sich der Berliner sein Schicksal vorstellt: breitbeinig, mit der Schürze als Rüstung und einem Schlüssel in der Hand, der mehr Rost als Eisen war. Es war der zwanzigste Juni neunzehnhundertachtundvierzig, ein Sonntag, an dem die Welt sich neue Scheine in die Hosentasche steckte und glaubte, damit sei alles bezahlt. Vierzig neue Mark hatte jeder bekommen, knisternd und fremd, und Mine betrachtete ihre, als hielte sie ein Brötchen, von dem sie nicht wusste, ob es schon schimmelte.

Sie schloss die Suppenküche auf, dieses zusammengeflickte Loch im Erdgeschoss eines Hauses, dem der Krieg das halbe Dach genommen hatte. Es roch nach kaltem Fett, nach Steckrübe und nach dem Holz, das niemals ganz trocken wurde. „So", sagte sie zu niemandem, „nun haben wir frisches Geld. Den alten Hunger behalten wir trotzdem." Und sie stellte den Topf auf, weil ein Topf, der dampft, immer noch die ehrlichste Antwort auf eine schwierige Zeit ist.

Paul saß auf der Treppe, elf Jahre alt und mager wie eine Bohnenstange, und horchte. Der Junge sammelte Wörter, wie andere Murmeln sammeln, und an diesem Morgen klang die Welt verheißungsvoll. Vier Tage später jedoch klang sie nur noch dunkel.

Denn am vierundzwanzigsten Juni schlossen die Sowjets die Wege. Keine Bahn, kein Lastwagen, kein Kahn mehr durch die Zone. Der Strom wurde knapp, das Mehl noch knapper, und über Nacht saß die halbe Stadt in einer Falle, die niemand gestellt zu haben behauptete.

Herr Knobloch, der Hauswart, kam in die Küche geschlurft, die Mütze in der Hand und den Weltuntergang im Gesicht. „Frau Kabsch", verkündete er feierlich, „das ist das Ende. Sie hungern uns aus. In drei Wochen essen wir Tapetenkleister, und im Osten, da liegt die Wurst in den Schaufenstern, ich sag's ja."

Mine rührte weiter in ihrem Topf, ohne aufzusehen. [sighs] „Knobloch", sagte sie, „wenn Sie mir noch einmal die Ostwurst unter die Nase reiben, kriegen Sie eine gescheuert, dass Sie die Sterne von hier bis Pankow zählen können. Umsonst, versteht sich. Solange ich rühre, wird hier nicht gestorben."

Knobloch schwieg, weil Mines Hand groß war und ihre Drohungen selten leer. Paul aber hatte ein neues Wort gefangen, ein fremdes, schweres, das ihm im Mund lag wie ein Kiesel. [whispers] „Blockade", flüsterte er und schmeckte es ab. Es klang nach einer zugemauerten Tür, hinter der etwas wartete.

Was draußen wartete, sollte erst der Juli verraten, wenn der Himmel ein Geräusch lernte, das die Stadt noch nie gehört hatte – und das Paul an einen rostigen Zaun zog, von dem aus die ganze Geschichte ihren Lauf nahm.

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