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Cover: Das Lied unter dem Eis

Belletristik

Das Lied unter dem Eis

Mit KI erzeugt
Science-Fictionca. 42 Min.

Auf der einsamen Forschungsstation Thalassa, hoch oben über dem gefrorenen Ozean des Jupitermonds Europa, bricht ein seltsames, sich wiederholendes Signal die endlose Stille der Tiefe. Stationsleiterin Ingrid Solveig und ihre kleine Crew stehen vor der größten Entscheidung der Menschheitsgeschichte: Antworten oder schweigen? Doch vielleicht stellen sie dabei die falsche Frage.

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Rauschen und Routine

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 5:03

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Rauschen und Routine

Über Europa gab es keinen Tag und keine Nacht, nur das ferne, blasse Auge des Jupiter, das die Eisebene mit einem müden Silber überzog. Die Station Thalassa duckte sich als schmaler Ring aus Metall und Glas gegen die endlose weiße Weite, ein einsamer Herzschlag aus Licht in einer Landschaft, die seit Millionen von Jahren geschwiegen hatte. Unter ihr, tief im kilometerdicken Panzer aus Eis, reichte die Bohrsonde hinab wie eine dünne Nadel, die in etwas Schlafendes gestochen worden war.

Ingrid Solveig stand vor dem Kontrollpult und verfolgte die Reihe grüner Werte, die die Sonde meldete. Sie war zweiundfünfzig Jahre alt, von kräftiger Statur, und ihr kurzes, silbergraues Haar lag praktisch und schmucklos an ihrem Kopf. Ihre helle, sommersprossige Haut wirkte im kalten Licht der Anzeigen noch blasser, und die dünne Lesebrille an einer Kordel um ihren Hals klopfte leise gegen das Stationsabzeichen auf ihrem abgetragenen dunkelblauen Overall, wenn sie sich vorbeugte. Sie kannte jede dieser Zahlen auswendig. Sie hatte sie an so vielen Zyklen gelesen, dass sie sie im Schlaf hätte aufsagen können. Und doch prüfte sie jede einzelne, denn Routine war hier draußen nicht Langeweile, sondern Überleben.

Ein paar Schritte weiter, im gedämpften Halbdunkel der Funknische, saß Tomas Weber vor seinen Bildschirmen. Er war neununddreißig, schlank und hochgewachsen, mit dichtem, dunkelbraunem Lockenhaar und einem kurzen Vollbart, der ihm im langen Missionsschatten gewachsen war. Über seinem grauen Kapuzenpullover trug er eine offene Arbeitsweste, deren Taschen von kleinen Werkzeugen ausbeulten, und an seinem Hals schimmerte eine dünne silberne Kette. Er hatte die Kopfhörer aufgesetzt und lauschte, wie er es seit Monaten tat: dem Rauschen aus der Tiefe. Es war ein endloser, körniger Strom, das Knirschen und Seufzen des Eises, das Rieseln von Salzwasser, der ferne Atem eines lichtlosen Ozeans. Man konnte darin ertrinken, wenn man nicht aufpasste.

Im Labor, hinter einer Scheibe aus mattem Glas, beugte sich Mei-Lin Fischer über ihre Kulturen. Sie war vierunddreißig, zierlich, ihr glattes schwarzes Haar zu einem strengen Zopf gebunden. Über einem türkisfarbenen Shirt trug sie ihren weißen Kittel, und an einer Hand saß ein dünner Silberring, den sie manchmal gedankenverloren drehte. Sie pflegte die kleinen Schalen mit derselben Zärtlichkeit, mit der andere Menschen Blumen gießen, und sprach leise mit ihnen, als könnten sie sie hören. Vielleicht war es das, was die Einsamkeit mit einem machte: Man begann, zu allem zu sprechen, damit die Stille nicht das letzte Wort behielt. [sighs]

Und über allem, in den Wänden selbst, lebte Aran. Die Stationsintelligenz hatte keinen Körper, nur eine ruhige, gleichmäßige Stimme und ein weiches bernsteinfarbenes Licht, das in feinen Adern durch die Paneele pulsierte und ein wenig heller wurde, wenn sie sprach. Aran maß die Temperatur, zählte den Sauerstoff, hielt die Pumpen im Takt und wachte über den Schlaf der drei Menschen wie ein geduldiger Hirte. „Die Werte sind stabil, Ingrid", sagte die Stimme sanft. „Du solltest ruhen." Ingrid nickte nur und blieb, wo sie war.

So verging der Tag, wie so viele vor ihm, in dem gedehnten Grau zwischen Aufgaben und Warten. Die Erde war ein blauer Funke, so fern, dass ihre Botschaften Stunden brauchten. Manchmal, dachte Ingrid, war die größte Gefahr hier nicht die Kälte oder das Vakuum, sondern das langsame Verlöschen der eigenen Stimme im Nichts.

Dann, mitten in der langen Nachtschicht, als selbst das Summen der Pumpen zu einem einzigen zeitlosen Ton verschmolz, hielt Tomas plötzlich inne. Er zog eine Kopfhörermuschel enger ans Ohr. Im Rauschen, tief unter dem Zufall des Eises, war etwas gewesen. Ein winziges Aufblitzen von Ordnung. Ein Klopfen, das wiederkehrte. [breathes] Er hielt den Atem an und wartete, während sein Herz laut in der Stille schlug. Und da war es wieder, sanft und beharrlich, als hätte etwas in der Tiefe leise an eine Tür geklopft und darauf gewartet, dass jemand hörte.

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