
Geschichte
Die Lichter über der Saale
Mit KI erzeugtWinter 1349: Der Schwarze Tod kriecht die Saaletäler hinauf, und auf Burg Rothenstein kämpft die Müllerstochter Adelheid mit Kräutern und Mut gegen Seuche, Aberglaube und den Hass eines fanatischen Bußpredigers. Doch wer trägt nachts die geheimnisvollen Lichter über dem Fluss — und was verbirgt der Muschelkalkfels tief in seinem Inneren?
Kostenlos reinhören: Boten aus Erfurt
Boten aus Erfurt
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 8:05
So geht die Geschichte weiter …
Noch ca. 31 Minuten warten auf dich. Registrier dich kostenlos und hör diese und alle anderen Geschichten in voller Länge — ohne Abo, ohne Kreditkarte.
Kostenlos registrieren & weiterhörenZum Mitlesen: Boten aus Erfurt
Der November legte sich grau über das Mühlental, und der Atem der Saale stieg als kalter Dunst zwischen den kahlen Erlen auf. Adelheid stand vor der Mühle ihres Vaters, die Hände rot vor Frost, und lauschte dem trägen Klatschen des Wasserrads, das sich Schaufel um Schaufel durch den dunklen Fluss arbeitete. Es roch nach nassem Holz, nach Mehlstaub und nach dem ersten, dünnen Frost, der morgens die Pfützen mit Eis überzog. Über ihr, hoch oben auf dem hellen Muschelkalkfelsen, kauerte die Burg Rothenstein im Nebel, als hätte ein Riese sie aus dem Stein gehauen und dort vergessen.
Sie hatte gerade einen Korb mit getrockneten Wurzeln und Kräuterbüscheln gefüllt, als das Knarren von Rädern und das müde Schnauben eines Gauls vom Furtweg herüberdrang. Ein Fuhrmann kam den schlammigen Pfad herauf, den Karren schwer beladen, das Gesicht eingegraben unter einer breiten Krempe. Er hielt am Wegrand, wo die Furt durch die Saale führte, dort, wo seit Menschengedenken die Händler zwischen Erfurt und Nürnberg ihre Wagen durch das flache Wasser lenkten.
"Gott zum Gruße", rief Adelheid und trat näher. "Du kommst von Norden?"
Der Mann nickte schwer. Er stieg nicht ab, als fürchtete er, der Boden selbst sei verseucht. "Von Erfurt", sagte er, und seine Stimme war heiser. "Wenn man es noch Erfurt nennen kann."
Etwas in seinem Ton ließ sie frösteln, mehr als die Kälte es vermochte. "Was redest du da?"
"Der Tod geht um, Mädchen." Er starrte auf seine Zügel. "Eine Seuche, wie sie keiner gesehen hat. Sie sagen, jeder Dritte ist schon hinüber. Die Gassen liegen voll, die Glocken läuten nicht mehr, weil keiner mehr da ist, der sie zieht. Beulen, schwarz wie Pflaumen, unter den Achseln und in den Lenden. Heute Morgen lebendig, am Abend kalt." Er bekreuzigte sich hastig. "Ich bin geflohen, und ich rate jedem, der noch atmet, dasselbe zu tun."
Adelheid spürte, wie ihr die Worte den Magen zusammenzogen. Ein Drittel. Sie versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, wenn von den Menschen, die sie kannte, jeder Dritte einfach nicht mehr da wäre, und sie konnte es nicht. [sighs]
"Habt ihr nichts dagegen tun können?", fragte sie. "Keine Kräuter, kein Aderlass, kein Räuchern?"
Der Fuhrmann lachte bitter. "Die Bader sind als Erste gestorben. Und die Pfaffen reden von Strafe Gottes." Er schnalzte, der Gaul zog an. "Bleib auf deinem Berg, Müllerstochter, und bete." Dann rollte er weiter, dem Süden entgegen, und der Karren verschwand im Nebel, als hätte ihn die Saale verschluckt.
Lange stand Adelheid noch am Wegrand. Das Wasser zog dunkel und gleichmütig vorbei, und sie dachte an die Stadt, die sie nur ein einziges Mal gesehen hatte, an ihre Türme und ihren Lärm, und daran, dass dort nun die Glocken schwiegen. Dann hob sie ihren Korb auf und machte sich an den Aufstieg.
Der Pfad zur Burg wand sich steil den Fels hinauf, ausgetreten von Generationen von Knechten und Säumern. Sie kletterte über glitschige Wurzeln, vorbei an Felsspalten, in denen schon der erste Reif glitzerte, und mit jedem Schritt wurde der Wind schneidender. Von hier oben lag das ganze Tal unter ihr ausgebreitet: die silberne Schlinge der Saale, die geduckten Dächer der Dörfer, und im Süden, halb verborgen hinter einem Höhenzug, die hellen Mauern des Zisterzienserklosters Bürgel, wo die Mönche zu dieser Stunde gewiss über ihren Büchern und Gebeten saßen.
Am Burgtor erkannte sie der Wächter und ließ sie ein. Der Hof war eng, ein Gewirr aus Stein und Holz, dazwischen ein Brunnen, ein Misthaufen und der Geruch von Pferden, Rauch und feuchter Wolle. Hennecke kam ihr entgegen, der junge Pferdebursche, das rotblonde Haar zerzaust, und an seiner Seite trottete Wacker, der zottige Hund, und schnüffelte sogleich an ihrem Korb.
"Adelheid!" Hennecke strahlte, vergaß aber nicht, leicht zu hinken, als er einen Eimer beiseitestellte. "Bringst du was für den alten Gisbert? Sein Husten ist schlimmer geworden."
"Huflattich und Thymian", sagte sie und ließ den Hund an ihrer Hand schnuppern. "Und schlechte Nachrichten dazu." Sie sah ihn an. "Wo ist der Herr?"
In der Halle brannte ein dürftiges Feuer, das mehr Rauch als Wärme gab, denn der Wind drückte ihn durch die Schießscharten zurück. Ritter Dietrich von Lobdeburg saß am Tisch, graubärtig, die Narbe auf der Wange ein heller Strich im Halbdunkel, und besserte mit klammen Fingern einen Riemen seines Waffenrocks aus. Das Lobdeburger Wappen darauf war abgewetzt, die Farben verblasst wie das Geschlecht selbst, das einst über weite Teile des Saaletals geboten hatte und nun nur noch diesen Felsen hielt.
"Müllerstochter", brummte er, ohne aufzublicken. "Was treibt dich herauf bei diesem Wetter?"
Adelheid stellte den Korb ab. "Ein Fuhrmann an der Furt, Herr. Er kam von Erfurt. Er sagt, dort wütet eine Seuche. Jeder Dritte sei tot."
Jetzt hob Dietrich den Kopf. Für einen Augenblick lag etwas in seinem Blick, das sie nicht deuten konnte, nicht bloß Sorge, sondern etwas Älteres, Dunkleres, das tief in ihm zu graben schien. [pauses] Dann verhärtete sich sein Gesicht. "Geschwätz von Fuhrleuten", sagte er. "Sie tragen die Furcht weiter wie die Krätze."
"Er hatte keine Furcht in den Augen, Herr", entgegnete sie ruhig. "Er hatte Entsetzen. Das ist etwas anderes."
Dietrich legte den Riemen beiseite. "Und du meinst, mit deinen Wurzeln und Blättern wirst du etwas ausrichten, wenn es kommt?"
"Ich weiß es nicht", sagte sie ehrlich. "Aber ich weiß, dass Beten allein noch keinen Husten gelindert hat."
Ein Knecht am Feuer, ein knochiger Mann mit misstrauischen Augen, murmelte etwas in seinen Bart, etwas von Weibern, die mehr wüssten, als gut für sie sei. Adelheid hörte es, und sie hatte es schon oft gehört. Sie schwieg und ballte nur die Hand um den Kräuterbeutel an ihrem Gürtel.
Dietrich sah von ihr zu dem Knecht und wieder zurück. "Versorge Gisbert", sagte er schließlich, leiser nun. "Und dann geh heim, ehe es dunkel wird."
Sie nickte und wandte sich zum Gehen. An der Tür blieb sie stehen und blickte noch einmal hinaus über die Brüstung, hinab auf das Tal, wo die Saale sich grau im letzten Licht verlor. Irgendwo dort unten, hinter den Hügeln, kroch etwas heran, lautlos, geduldig, und niemand auf diesem Felsen ahnte noch, wie nah es bereits war.
… weiterlesen und weiterhören nach der kostenlosen Registrierung.
Oder erschaffe deine eigene Geschichte
Wie „Die Lichter über der Saale“, nur ganz nach deinem Geschmack — du sagst, worauf du Lust hast, den Rest machen wir.