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Cover: Das Café der richtigen Kuchen

Belletristik

Das Café der richtigen Kuchen

Mit KI erzeugt
Wohlfühlca. 32 Min.

In der Zimtstunde, einem winzigen Café in einer verträumten Kopfsteinpflastergasse, backt Marlene auf geheimnisvolle Weise genau den Kuchen, den ihr Gast gerade braucht. Ob Trauer, Zweifel oder Sehnsucht – wer hier eintritt, findet mehr als nur etwas Süßes. Doch wer sorgt eigentlich für Marlene selbst?

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Regen und Zimt

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 3:48

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Regen und Zimt

Der Regen fiel an diesem Montagmorgen so leise, als wolle er niemanden wecken. Er zeichnete silberne Fäden über die schmale Kopfsteinpflastergasse, sammelte sich in den Fugen zwischen den runden Steinen und trommelte einen weichen, gleichmäßigen Takt gegen die beschlagenen Fensterscheiben eines winzigen Cafés, das den Namen Zimtstunde trug.

Drinnen war es warm. Es war immer warm hier, denn die Backstube im hinteren Teil des Raumes gab niemals ganz ihre Glut auf, und so roch es bereits nach Butter, nach gerösteten Mandeln und nach jenem Hauch von Zimt, der dem Café seinen Namen geschenkt hatte. Auf der Fensterbank, dort, wo die Wärme der Heizung aufstieg und das trübe Grau der Gasse zu einem beruhigenden Verwischen wurde, lag Muffin zusammengerollt. Die kleine, rundliche Katze mit dem grau-braun gestreiften Fell und den weißen Pfoten döste, das rote Halsband mit der kleinen Glocke hob und senkte sich sacht mit ihrem Atem. Nur ab und zu blinzelte sie mit einem ihrer bernsteinfarbenen Augen, als vergewissere sie sich, dass alles seine Ordnung hatte.

Marlene band sich gerade die Schürze zu. Sie war vierundvierzig Jahre alt, und ihr kastanienbraunes Haar hatte sie zu einem lockeren Knoten gesteckt, aus dem sich, wie stets, ein paar Strähnen gelöst hatten und ihr in die Stirn fielen. Die marineblaue Leinenschürze über dem cremefarbenen Pullover trug bereits eine feine Schicht Mehl, und über ihrer linken Augenbraue saß, klein und vertraut, ein Muttermal. Mit einer geübten Bewegung wischte sie die Theke ab, richtete die Tortenplatten unter der gläsernen Haube und stellte die Tassen so, dass ihre Henkel alle in dieselbe Richtung zeigten. Es waren kleine Handgriffe, doch sie taten ihr gut, als spräche sie mit ihnen ein leises Morgengebet.

Dann drehte sie das Schild an der Tür. Aus dem Wort Geschlossen wurde das Wort Geöffnet, und die Zimtstunde begann.

Der erste Gast kam schneller, als sie erwartet hatte. Die Glocke über der Tür klingelte hell, und mit einem Schwall feuchter, kühler Luft trat ein durchnässter Mann herein, der den Kragen seines Mantels hochgeschlagen hatte. Er wirkte müde bis in die Knochen, und in seinem Blick lag etwas Verlorenes, so als habe er den Weg hierher gar nicht bewusst gewählt, sondern sei einfach dem Duft gefolgt, weil ihn drinnen mehr Wärme erwartete als draußen im Leben.

Marlene lächelte ihm zu und fragte nicht viel. Sie fragte nie viel. Sie sah nur genau hin. Sie bemerkte, wie er den Regen von den Schultern schüttelte, wie seine Hände zitterten, als er nach der Rückenlehne des Stuhls griff, und wie sein Blick an dem einen leeren Platz am Fenster hängen blieb, als habe dort einst jemand gesessen, der nun fehlte.

Ohne dass er etwas bestellt hatte, ging sie in die Backstube. Sie wusste selbst nicht genau, warum ihre Hände wählten, was sie wählten. Sie wusste nur, dass es sich richtig anfühlte, als sie ein Stück warmen Grießkuchen auf den Teller hob, jenen einfachen, tröstenden Kuchen, der nach Vanille und nach Kindheit schmeckte, nach einer Küche, in der man geborgen war.

Sie stellte den Teller vor ihn hin. Der Mann sah ihn an, und für einen Moment schien er zu vergessen, den Atem zu holen. [pauses] Dann nahm er den ersten Bissen, und etwas in seinem Gesicht löste sich. Seine Schultern sanken, seine Augen wurden feucht, und ein zaghaftes, ungläubiges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. »Den hat meine Großmutter gebacken«, [whispers] flüsterte er. »Genau den. Ich hatte ihn völlig vergessen.«

Marlene nickte nur, als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt. Muffin öffnete auf der Fensterbank ein Auge, betrachtete den Mann zufrieden und schlief weiter.

[sighs] Der Regen trommelte, der Zimt duftete, und niemand ahnte, dass diese Woche jeden Gast, der durch die Tür trat, genau das Stück erwarten würde, das sein Herz gerade am nötigsten brauchte. Am nächsten Morgen sollte der Erste von ihnen kommen.

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