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Cover: Das Feuer, das wir nie ausmachten – Warum Deutschland noch immer die Dampfmaschine anbetet und wie ein winziger Sensor zeigt, dass die Wende längst möglich ist

Sachbuch

Das Feuer, das wir nie ausmachten – Warum Deutschland noch immer die Dampfmaschine anbetet und wie ein winziger Sensor zeigt, dass die Wende längst möglich ist

Mit KI erzeugt
Technik & Zukunftca. 40 Min.

In achtzig Prozent der deutschen Gebäude lodert noch immer dasselbe Grundprinzip wie in James Watts Dampfmaschine von 1769 – kontrollierte Verbrennung als einziger Weg zur Wärme. Dabei steckt die Energie für unser Zuhause schon längst in der Luft, im Boden und im Grundwasser, wartet darauf, gehoben zu werden. Was ein unscheinbares Kästchen an der Kellerwand damit zu tun hat, warum Physik und Haltung zwei völlig verschiedene Probleme sind – und weshalb ausgerechnet deutsche Gründlichkeit der beste Motor der Energiewende sein könnte.

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Das Feuer, das wir nie ausmachten

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Zum Mitlesen: Das Feuer, das wir nie ausmachten

Stellen Sie sich einen ganz gewöhnlichen Dienstagabend im November vor. Draußen ist es kalt geworden, der erste Frost liegt auf den Wiesen, und in einem Reihenhaus irgendwo zwischen Flensburg und Konstanz dreht jemand am Thermostat. Ein leises Klicken, ein kaum hörbares Rauschen, dann ein sanftes Warmwerden der Heizkörper. Nichts daran wirkt bemerkenswert. Es ist der unscheinbarste Vorgang der Welt. Und doch geschieht in diesem Moment, tief unten im Keller, etwas erstaunlich Altmodisches. Dort brennt ein Feuer.

Nicht bildlich gesprochen, sondern buchstäblich. In einem geschlossenen Brennraum entzündet sich ein Gemisch aus Gas und Luft, oder es verglüht ein feiner Nebel aus zerstäubtem Heizöl. Eine Flamme lodert, unsichtbar hinter Blech und Dämmung, und erhitzt Wasser, das dann durch die Rohre des Hauses strömt. Millionenfach geschieht das in diesem Augenblick in ganz Deutschland. In den Kellern der Republik brennt es, leise und diszipliniert, Abend für Abend, Winter für Winter. Wir haben nur gelernt, es nicht mehr zu bemerken.

Die Zahlen dahinter sind ernüchternd deutlich. [sighs] Rund achtzig Prozent aller Gebäude in Deutschland werden mit fossiler Energie beheizt. Knapp die Hälfte davon mit Erdgas, ein weiteres Viertel mit Heizöl. Das heißt: In vier von fünf Häusern erzeugen wir Wärme so, wie es die Menschen im Grunde schon vor Generationen taten, nämlich indem wir etwas verbrennen. Wir haben die Flamme veredelt, wir haben sie eingehaust, geregelt, mit Sensoren überwacht und mit Sicherheitsventilen umgeben. Aber im Kern tun wir dasselbe wie unsere Urgroßeltern, die Kohle in den Ofen schaufelten. Wir entfachen ein Feuer, um es warm zu haben.

Und hier lohnt es sich, kurz innezuhalten und eine Frage zuzulassen, die zunächst fast trotzig klingt. Warum eigentlich? Warum ausgerechnet hier, in diesem Land? Deutschland versteht sich seit anderthalb Jahrhunderten als Erfindernation. Als das Land der Tüftler und Ingenieure, der Patente und Präzision. Ein Land, das den Buchdruck in die Welt trug, das den Dieselmotor erdachte, das den Buchdruck der Elektrizität, wenn man so will, mit dem Dynamo lieferte. Ein Land, dessen Selbstbild sich aus technischer Gründlichkeit speist, aus dem Stolz, Dinge nicht nur zu bauen, sondern sie besser zu bauen als alle anderen.

Und doch beheizt genau dieses Land seine Wohnzimmer nach einem Prinzip, das im Kern uralt ist. Denn machen wir uns nichts vor: Die moderne Gasheizung und die alte Dampfmaschine sind enge Verwandte. Beide beruhen auf demselben Grundgedanken. Man nehme einen Brennstoff, man zünde ihn an, und man nutze die freigesetzte Wärme. Die Dampfmaschine, dieses zischende, dampfumhüllte Ungetüm aus schwarzem Gusseisen und poliertem Messing, mit ihrer rotglühenden Feuerbüchse und ihren stampfenden Kolben, war das Herz des industriellen Zeitalters. Sie hat unsere Vorstellung davon geprägt, was Fortschritt bedeutet: nämlich kontrolliertes Feuer. Und dieses Bild sitzt tiefer, als wir ahnen.

Man könnte fast sagen: Wir haben das Feuer nie ausgemacht. [pauses] Wir haben es nur aus dem Blick verloren. Es wanderte vom offenen Herd in den geschlossenen Kessel, vom rußenden Ofen in den blitzsauberen Heizraum. Aber es brennt weiter, unverdrossen, hinter den Wänden unserer gut gedämmten Häuser. Und mit jeder Flamme steigt etwas auf, das man nicht sieht und lange nicht ernst genommen hat: Kohlendioxid, jenes unsichtbare Gas, das sich in der Atmosphäre sammelt und die Erde langsam, aber unaufhaltsam wärmer werden lässt.

Das ist der eigentliche Widerspruch, dem wir in dieser Geschichte nachgehen wollen. Ein Land, das sich rühmt, die Zukunft zu bauen, heizt seine Gegenwart mit der Vergangenheit. Es ist, als würden wir in Hochleistungsrechnern noch mit Dampf rechnen. Doch bevor wir verstehen, wie es anders gehen könnte, müssen wir verstehen, warum es so gekommen ist. Warum das Verbrennen für uns nicht bloß eine Technik ist, sondern beinahe eine Überzeugung. Und dafür lohnt sich ein Blick zurück, in jenes neunzehnte Jahrhundert, in dem zwei Männer prägten, was wir bis heute für selbstverständlich halten.

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