
Krimi
Der Fälscher von Hamburg — Die Hand des unsichtbaren Meisters
Mit KI erzeugtEin zu leuchtendes Blau in einem Auktionssaal, ein Gutachter mit schlechtem Gewissen und eine Kommissarin mit einem Gefühl, das sie nicht loslässt: Im diskreten Hamburger Kunstmilieu mehren sich die Werke eines längst verstorbenen Malers auf rätselhafte Weise. Kommissarin Rieke Sanders und ihr Partner Milan Petzold tauchen ein in eine Welt aus Provenienzketten, hanseatischer Diskretion und gefälschten Biografien — und stellen fest, dass die größte Täuschung manchmal die ist, die niemand sehen wollte.
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Ein zu leuchtendes Blau
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:37
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Der Saal roch nach altem Parkett, kaltem Kaffee und dem diskreten Parfüm des großen Geldes. Es war ein Novemberabend, und draußen an der Rothenbaumchaussee hing der Nebel in den kahlen Kastanien wie feuchte Wolle. Drinnen, unter den messingnen Deckenleuchten des Auktionshauses, saßen die Reihen dicht besetzt. Männer in dunklen Anzügen, Frauen mit teuren Tüchern, hier und da ein Katalog, der leise umgeblättert wurde. Man sprach gedämpft, wie in einer Kirche, in der nicht Gott, sondern der Markt verehrt wurde.
Rieke Sanders war heute nicht im Dienst. Zumindest hatte sie sich das eingeredet. Die Kommissarin, eine Frau um die zweiundvierzig, mittelgroß, mit schulterlangem aschblondem Haar, das sie streng im Nackenzopf trug, saß am Rand der neunten Reihe. Über der grauen Bundfaltenhose trug sie ihren dunkelblauen Wollmantel, den sie nicht abgelegt hatte, als sei sie jederzeit bereit zu gehen. Die Sommersprossen auf ihrer hellen Haut fingen das warme Licht auf. Sie war gekommen, um sich einen Abend lang das Milieu anzusehen, in dem sie beruflich sonst nur ermittelte. Kunst als Vergnügen. So hatte sie es geplant.
Doch dann geschah etwas mit ihr, das ihr immer geschah, wenn Zahlen nicht stimmten.
Auf dem Podium wurde das nächste Los angekündigt. Ein wiederentdeckter Hinrich Osterloh, hieß es, ein Küstenbild aus dem Nachlass einer norddeutschen Privatsammlung. Zwei Museumsangestellte trugen die Leinwand behutsam auf die Staffelei und richteten den Scheinwerfer aus. Ein Raunen ging durch die Reihen, das leise, wohlige Raunen der Kenner.
Und Rieke Sanders stutzte.
Osterloh. Vor drei Jahren hätte sie diesen Namen kaum nennen können. Ein verkannter Küstenexpressionist, jahrzehntelang vergessen, Werke, die man an einer Hand abzählte. Und nun war dies, wenn sie richtig rechnete, das dritte Bild dieses Malers, das innerhalb von nur zwei Jahren an diesem Ort aus dem Nichts auftauchte. Drei plötzlich wiederentdeckte Osterlohs, wo es zuvor beinahe keine gegeben hatte. Sie legte den Katalog auf die Knie und spürte, wie sich in ihrem Kopf ganz leise eine Tür öffnete, die sie an diesem Abend eigentlich hatte geschlossen halten wollen.
Der Scheinwerfer fand das Bild. Eine graue Brandung unter einem tiefen Himmel, so wie Osterloh die Nordsee gesehen haben sollte, rau, salzig, unbestechlich. Doch mitten in dieser Grautönung, im Kamm der Wellen, lag ein Blau. Ein Blau, das leuchtete. Ein Blau, das die ganze Leinwand an sich zog, satt und tief und beinahe elektrisch, als hätte jemand hinter der Farbe ein Licht angeschaltet. Es war schön. Es war zu schön. Es hatte nichts von der stumpfen, gealterten Ruhe, die alte Ölfarben gewöhnlich tragen. [pauses] Sanders wusste nicht, ob es die Nüchternheit ihres Berufs war oder nur ein Gefühl, aber dieses Blau kam ihr vor wie eine junge Stimme, die vorgab, alt zu sein.
Ihr Blick wanderte weiter, an den Reihen entlang, bis er an einem Mann hängen blieb, der zwei Plätze vor dem Podium saß. Doktor Anton Reventlow, den sie flüchtig kannte, den Kunsthistoriker, der dem Landeskriminalamt gelegentlich als Gutachter diente. Ein hagerer Herr Ende sechzig, dünnes weißes Haar über hoher Stirn, randlose Brille, anthrazitfarbener Tweed mit Weste und Einstecktuch. Er hatte dieses Bild beglaubigt, sein Name stand im Katalog. Ein Mann, der eigentlich zufrieden hätte lächeln müssen, hier, in seinem Element.
Aber Reventlow lächelte nicht. Seine Hand tastete an der silbernen Kette seiner Taschenuhr, immer wieder, ein kleiner, unruhiger Griff. Er sah das Blau an, und in seinem Gesicht lag etwas, das Sanders nur zu gut kannte. Es war der Ausdruck eines Menschen, der etwas unterschrieben hatte und nun, im gnadenlosen Scheinwerferlicht, zum ersten Mal wirklich hinsah. [sighs]
Der Auktionator hob den Hammer. Die Gebote stiegen, ruhig und rasch, in schwindelnde Höhen. Und Rieke Sanders, die eigentlich privat hier war, öffnete den Katalog wieder und begann, im Halbdunkel, ganz leise die Namen der Vorbesitzer zu lesen.
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