
Krimi
Die Frau von nebenan
Mit KI erzeugtAls Corvin Adler gegenüber einzieht, scheint Marlene Sandkuhl endlich die Nachbarin gefunden zu haben, die sie sich immer gewünscht hat — hilfsbereit, charmant, aufmerksam. Doch bald beginnen kleine Dinge nicht mehr zu stimmen: verlegte Schlüssel, veränderte Notizen, ein Kater, der seiner eigenen Wohnung misstraut. Marlene fragt sich, ob sie den Verstand verliert — oder ob jemand sehr gezielt dafür sorgt, dass sie genau das glaubt.
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Die perfekte Ankunft
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 3:55
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Es gibt Tage, an denen das Licht so weich durch die alten Kastanien am Kastanienweg fällt, dass man glaubt, nichts Schlimmes könne in einem solchen Haus geschehen. An jenem Septembermorgen saß ich am Fenster meiner Wohnung im zweiten Stock, eine Tasse Tee in beiden Händen, und beobachtete, wie unten im Hof ein kleiner Transporter parkte. Ich bin Marlene, vierundvierzig Jahre alt, und seit meiner Trennung habe ich mir vor allem eines gewünscht: Ruhe. Ordnung. Ein Leben, das mir gehört, mit meinen Büchern, meinen Übersetzungen und meinem Kater.
Bruno lag auf der Fensterbank neben mir, ein großer getigerter Kerl mit grau-braunem Fell, weißen Pfoten und einem kleinen Knick in der linken Ohrspitze. Sein rotes Halsband mit dem silbernen Anhänger klimperte leise, als er den Kopf hob und nach unten spähte.
Aus dem Transporter stieg eine Frau, und ich muss gestehen, dass ich für einen Moment einfach nur schaute. Sie war Ende dreißig, mit glattem, platinblondem Haar, das zu einem präzisen Bob geschnitten war, keine Strähne zu viel. Ihr Hautton war warm und goldbraun, und sie trug eine cremefarbene Bluse und eine schmale Hose, als käme sie nicht von einem Umzug, sondern von einem Termin, bei dem man Eindruck machen wollte. Selbst ihr Lippenstift, ein dezentes Rot, saß perfekt. An der rechten Hand blitzte ein schmaler Goldring.
Sie war es, die zuerst zu mir heraufsah. Sie hob die Hand, lächelte, als kennten wir uns seit Jahren, und deutete auf etwas neben dem Hauseingang. Erst da bemerkte ich das Paket. Es war meins, ich hatte es seit zwei Tagen vermisst, und offenbar hatte der Zusteller es hinter die Mülltonnen im Hof geschoben, wo niemand es je gefunden hätte.
Ich ging hinunter. Im Treppenhaus roch es nach frischer Farbe und nach dem alten Holz der Geländer. Unten stand sie schon, mein Paket in den Armen, und reichte es mir mit einer Selbstverständlichkeit, als täte sie das jeden Morgen.
„Das lag da hinten", sagte sie. „Ich dachte mir, das gehört bestimmt zu jemandem, der zu ordentlich ist, um es einfach liegenzulassen." Sie lachte leise. „Corvin Adler. Ich ziehe gegenüber ein, Wohnung dreiundzwanzig."
Ich nannte meinen Namen, und sie wiederholte ihn, langsam, fast zärtlich, als wollte sie ihn sich merken. „Marlene. Das klingt nach jemandem, der Bücher liebt."
Ich weiß nicht, warum mich das so traf. Vielleicht, weil sie recht hatte. Vielleicht, weil ich es lange nicht gewohnt gewesen war, dass jemand mich ansah und dabei etwas Richtiges erkannte. Ich murmelte etwas von Übersetzungen, und sie nickte, als hätte sie es geahnt.
Dann bückte sie sich zu einem Korb, der neben ihren Kartons stand, und holte einen Laib Brot hervor, in ein Tuch geschlagen, noch warm. „Selbst gebacken", sagte sie. „Ich backe immer zu viel, wenn ich nervös bin. Nehmen Sie es, als Willkommen. Oder als Entschuldigung dafür, dass ich Ihnen die nächsten Wochen mit meinem Umzugslärm auf die Nerven gehen werde."
Das Brot roch wunderbar. Alles an diesem Morgen roch und klang und aussah wie aus einer freundlicheren Welt. Und doch, als ich mich wieder aufrichtete, sah ich hinauf zu meinem Fenster.
Bruno war fort.
[pauses]
Sonst saß er stundenlang auf der Fensterbank und beobachtete den Hof, als gehöre er ihm. Doch in dem Moment, in dem Corvin Adler zu ihm hinaufgesehen hatte, war er verschwunden. Als ich später die Wohnung betrat, fand ich ihn unter dem Bett, tief in der hintersten Ecke, die Ohren angelegt, die Pupillen weit. Ich lockte ihn mit seinem Namen, mit Leckerbissen, mit meiner sanftesten Stimme. Er rührte sich nicht.
Ich legte das warme Brot auf den Küchentisch und redete mir ein, es sei der Umzugslärm gewesen, die fremden Geräusche, nichts weiter. Tiere sind eben empfindlich. [sighs] Doch etwas in mir hörte nicht auf, hinauf zu jener anderen Tür zu blicken, hinter der nun ein neues Leben eingezogen war.
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