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Cover: Der Schatten des Unsichtbaren: Eine Reise zu den schwarzen Löchern

Sachbuch

Der Schatten des Unsichtbaren: Eine Reise zu den schwarzen Löchern

Mit KI erzeugt
Wissenschaft & Naturca. 38 Min.

Im Jahr 2019 ging ein Bild um die Welt: ein glühender orangefarbener Ring um eine tiefe, absolute Schwärze. Doch wie fotografiert man etwas, das kein Licht entlässt – dessen ganzes Wesen darin besteht, unsichtbar zu sein? Die Antwort auf diese scheinbar unmögliche Frage führt tiefer in die Natur der Wirklichkeit, als man ahnen könnte.

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Ein Porträt des Unsichtbaren

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:36

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Zum Mitlesen: Ein Porträt des Unsichtbaren

Stellen Sie sich einen Moment vor, Sie halten eine Kamera in der Hand und sollen etwas fotografieren, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, unsichtbar zu sein. Nicht schwer zu erkennen, nicht weit entfernt, nicht klein – sondern grundsätzlich, seinem tiefsten Wesen nach, dem Blick entzogen. Etwas, das jedes Licht verschluckt, das ihm zu nahe kommt, und selbst nicht den kleinsten Schimmer zurückwirft. Wie würden Sie das anstellen? Wie fotografiert man die Dunkelheit selbst?

Genau diese Frage stand im Raum, als im Frühjahr des Jahres zweitausendneunzehn ein einziges Bild um die Welt ging. Es tauchte auf Titelseiten auf, flimmerte über Bildschirme, verbreitete sich in Sekunden über den ganzen Globus. Und auf den ersten Blick wirkte es beinahe unscheinbar: ein verschwommener Ring aus glühendem Orange, weich und körnig, wie ein Feuerkreis, den jemand in die Nacht gemalt hatte. In der Mitte dieses Rings aber lag eine tiefe, runde Dunkelheit. Ein Nichts, umschlossen von Licht.

Was die Menschen da betrachteten, war keine künstlerische Fantasie und keine Computeranimation aus einem Science-Fiction-Film. Es war eine echte Aufnahme, gewonnen aus mühsam gesammelten Daten. Und sie zeigte etwas, das viele für grundsätzlich unfotografierbar gehalten hatten: das erste Bild eines schwarzen Lochs. Sein Name klingt eher wie ein Code als wie ein Name – man nennt es M87*, gesprochen „M siebenundachtzig Stern". Es sitzt im Herzen einer fernen Galaxie mit dem Namen Messier siebenundachtzig, und diese Galaxie ist so weit von uns entfernt, dass die Zahl fast jede Vorstellung sprengt: fünfundfünfzig Millionen Lichtjahre.

[pauses] Lassen Sie diese Entfernung einen Augenblick auf sich wirken. Das Licht, das wir auf diesem Bild sehen, hat sich vor fünfundfünfzig Millionen Jahren auf den Weg gemacht. Damals gab es auf der Erde noch keine Menschen, nicht einmal in Ansätzen. Ganze Gebirge sind seither entstanden und wieder abgetragen worden, während dieses Licht durch die Leere des Alls unterwegs war, nur um schließlich in unseren Instrumenten anzukommen und uns ein Porträt zu liefern – das Porträt von etwas, das eigentlich gar nichts aussendet.

Und hier liegt der Widerspruch, der uns auf dieser ganzen Reise begleiten wird. Ein schwarzes Loch ist, seinem Namen entsprechend, der Inbegriff des Lichtlosen. Seine Schwerkraft ist so gewaltig, dass nicht einmal Licht ihm entkommen kann, sobald es einer bestimmten Grenze zu nahe kommt. Alles, was hineinfällt, ist für immer verloren, kein Strahl, kein Signal, kein Funken kehrt zurück. Ein solches Objekt sollte per Definition unsichtbar sein. Es sollte sich jeder Kamera, jedem Teleskop, jedem noch so scharfen Blick entziehen. Und doch halten wir ein Bild davon in Händen.

[sighs] Wie kann das sein? Wie sieht man etwas, dessen ganzes Wesen darin besteht, sich dem Sehen zu verweigern? Das ist keine Fangfrage und kein rhetorisches Spiel. Es ist ein echtes Rätsel, und die Antwort darauf ist überraschender und schöner, als man zunächst vermutet. Denn wie sich zeigen wird, verrät sich gerade das Dunkelste im Universum durch das hellste Schauspiel an seinem Rand. Das Unsichtbare hinterlässt einen Schatten – und diesen Schatten können wir tatsächlich einfangen.

Doch bevor wir verstehen können, wie dieses erstaunliche Bild überhaupt zustande kam, müssen wir eine grundlegendere Frage klären. Was genau ist eigentlich ein schwarzes Loch? Woher kommt es? Und warum besitzt es diese unheimliche Fähigkeit, das Licht selbst gefangen zu nehmen? Denn hinter dem verschwommenen orangefarbenen Ring verbirgt sich nicht bloß ein exotisches Objekt am fernen Rand des Kosmos. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte, die uns tiefer in die Natur von Raum, Zeit und Wirklichkeit führt, als die meisten von uns es je für möglich gehalten hätten.

Um dorthin zu gelangen, müssen wir zunächst einen Schritt zurücktreten – zurück zu dem Moment, in dem ein Stern stirbt und aus seinem Untergang etwas völlig Neues entsteht.

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