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Cover: Eisenhut und Eierlikör

Krimi

Eisenhut und Eierlikör

Mit KI erzeugt
Regionalkrimica. 84 Min.

Als der allseits beliebte Vereinsvorsitzende Reinhold Pacholke nach dem Saalewacht-Sommerfest tot in seiner Laube gefunden wird, scheint alles auf einen friedlichen Herztod hinzudeuten — bis eine Routinetoxikologie das beschauliche Rothenstein an der Saale erschüttert. Zugereiste Kommissarin Marlene Vogt und der brummige Ortskenner Ebbe Kunze graben sich durch Dorfklatsch, schwelende Fehden und unstimmige Vereinsbücher — und entdecken, dass in einem Ort, wo jeder jeden kennt, die gefährlichsten Geheimnisse am tiefsten begraben liegen.

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Sommerfest mit Nachgeschmack

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 6:59

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Schlummer

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Der Hang über Rothenstein roch nach gemähtem Gras, nach Bratwurst und nach den Lindenblüten, die sich an diesem Nachmittag schwer und süß über das Vereinsgelände legten. Unten glitzerte die Saale träge zwischen den Kalksteinwänden, und oben, zwischen den Schrebergärten und dem alten Vereinsheim, hatte sich das halbe Dorf versammelt, um den Sommer zu feiern, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Wahrscheinlich gab es das auch nicht, jedenfalls nicht an diesem Samstag, an dem die Sonne golden über den bewaldeten Höhen stand und die Blaskapelle ihre dritte Polka anstimmte.

Reinhold Pacholke thronte mitten in diesem Glück wie ein König unter seinen Untertanen. Er war ein stattlicher Mann von siebenundsechzig Jahren, mit rotem Gesicht und einem Lachen, das man bis zur Gartenpforte hörte. Seit zweiundzwanzig Jahren führte er den Heimat- und Gartenverein, und seit ebenso vielen Jahren verwaltete er dessen Kasse, als wäre sie sein eigenes Sparbuch. Niemand dachte darüber nach. Reinhold war Rothenstein, und Rothenstein war Reinhold, so einfach lag die Sache.

In der Hand hielt er, wie immer bei solchen Gelegenheiten, ein kleines Gläschen seines berühmten Eierlikörs. Den stellte er selbst her, in der Küche des Vereinsheims, nach einem Rezept, das er angeblich von seiner Großmutter geerbt hatte und das er für nichts in der Welt verriet. Dick war dieser Likör, gelb wie Sonnencreme, schwer von Eigelb und Zucker und einem kräftigen Schuss Branntwein, und so würzig, dass einem die Zunge davon klebte. Er füllte ihn in kleine Fläschchen ab, die er großzügig verschenkte, und an Festtagen schenkte er jedem ein, der ihm in die Quere kam.

»Auf den schönsten Verein im ganzen Saaletal!«, rief er und hob das Glas, und ein gutes Dutzend Stimmen rief zurück und prostete mit. Die Kinder jagten zwischen den Bierbänken hindurch, die Schriftführerin Doktor Cornelia Brandt-Söll nippte an einem Glas Mineralwasser und beobachtete das Treiben mit jener kühlen, höflichen Aufmerksamkeit, die ihr eigen war. Sie war früher Apothekerin gewesen, und manche behaupteten, sie sehe einem Menschen noch immer an, was ihm fehlte, bevor er es selbst wusste.

Dann polterte es vom Getränkestand herüber. Walther Liebezeit, zweiter Vorsitzender, Nachbar und ewiger Widersacher, hatte sich in Rage geredet. Es ging, wie so oft, um die Grundstücksgrenze zwischen seiner Parzelle und der Pacholkes, um einen Zaunpfahl, der angeblich einen halben Meter zu weit stand, und natürlich auch um das Vorsitzendenamt, das Walther seit Jahren für sich beanspruchte und nie bekam.

»Du regierst hier wie ein Fürst!«, schimpfte Walther, das Gesicht hochrot. »Aber irgendwann ist Schluss, Reinhold, das sag ich dir!«

Reinhold aber lachte nur. Er legte dem Polternden eine schwere Hand auf die Schulter, drückte ihm ein Fläschchen Eierlikör in die Faust und sagte so laut, dass es alle hören konnten: »Walther, alter Streithammel, trink einen mit mir, dann ist die Welt wieder rund.« Gelächter brandete auf, jemand klatschte, und der Streit zerfloss in der warmen Luft, wie er immer zerfloss, wenn Reinhold ihn mit Charme und einer Geste der Großzügigkeit erstickte. Walther brummte noch etwas, steckte das Fläschchen aber ein und ließ sich besänftigen. So lief es seit Jahren. Niemand ahnte, dass es das letzte Mal war.

Am Rand des Festes stand Jana Liebezeit, Walthers Tochter, und reichte der alten Frau Hennig einen Teller. Jana war Pflegerin und überall beliebt, ein freundliches Gesicht, das zwischen den verfeindeten Häusern vermittelte, als gäbe es gar keine Feindschaft. Sie half hier, sie half dort, sie kannte jede Hintertür im Dorf, auch die der Pacholkes, denn sie ging dort ein und aus, half Hildegard im Garten und brachte Reinhold seine Tabletten, wenn die Witwe es einmal vergaß. Jetzt lächelte sie und sah ihrem Vater zu, wie er sich beruhigte.

Hildegard Pacholke selbst saß etwas abseits unter dem Nussbaum, eine schmale, stille Frau mit Gartenhänden, und betrachtete das Fest mit einem Ausdruck, den niemand recht zu deuten wusste. [pauses] Hinter ihr, jenseits des Zauns, leuchtete ihr berühmtes Beet in tiefem Blau, der Eisenhut, auf den sie so stolz war, hoch und prächtig und schön.

Der Nachmittag glitt in den Abend. Die Blaskapelle packte ihre Instrumente ein, die Lichterketten gingen an, und nach und nach leerten sich die Bänke. Reinhold, müde und zufrieden und ein wenig vom eigenen Likör beschwert, zog sich in seine Vereinslaube zurück, ein gemütliches Holzhäuschen am oberen Rand des Geländes, in dem er gern seine Ruhe hatte. »Ich mach noch ein bisschen Kasse«, sagte er zu niemandem im Besonderen und winkte ab. Auf dem kleinen Tisch in der Laube standen, wie man später feststellen würde, ein Krug, eine Tasse und ein angebrochenes Fläschchen seines Eierlikörs.

Es war kurz vor Mitternacht, als ihn der Hausmeister fand, weil in der Laube noch Licht brannte. Reinhold saß im Sessel, den Kopf zur Seite geneigt, als wäre er nur eingeschlafen. Doch er schlief nicht. Man rief den Hausarzt, einen freundlichen alten Herrn, der die halbe Gemeinde kannte und Reinhold seit dreißig Jahren behandelte. Der schaute kurz, drückte Hildegard die Hand und schrieb in seine Unterlagen, was bei einem Mann dieses Alters, dieses Gewichts und dieser Lebensfreude am naheliegendsten schien: Herzversagen. Es war ja kein Wunder, sagten die Leute, bei all dem Eierlikör und der Aufregung mit Walther.

[sighs] Über dem Saaletal lag eine warme, sternklare Nacht, und Rothenstein schlief seinem Trauertag entgegen, ahnungslos und friedlich. Nur hier und da, an einem Küchenfenster, brannte länger Licht als sonst. Und in den kleinen Fläschchen, die Reinhold so großzügig verschenkt hatte, schimmerte der gelbe Likör im Dunkeln, schwer und süß und vollkommen harmlos. So glaubte man jedenfalls. Noch.

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