
Sachbuch
Zwischen zwei Nobelpreisen — Der lange Weg der Marie Curie
Mit KI erzeugtSie durfte in ihrer Heimat keine Universität betreten, sprach Französisch mit fremdem Akzent und arbeitete in einem zugigen Schuppen, der kaum vor dem Regen schützte. Und doch veränderte Marie Curie mit einem einzigen Gedanken das Bild der Materie für immer. Was dieser Weg wirklich kostete, erzählt dieses Buch — ohne Heiligenschein, aber mit aller Würde.
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Ein Mädchen im verbotenen Land
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Stellen wir uns eine Stadt vor, in der schon das Sprechen der eigenen Sprache ein leiser Akt des Widerstands ist. Warschau, im Jahr achtzehnhundertsiebenundsechzig. Polen, wie wir es heute auf der Landkarte finden, existiert nicht. Das Land ist zerteilt und einverleibt, und der Teil, in dem unsere Geschichte beginnt, gehört zum russischen Zarenreich. In den Schulen soll Russisch gesprochen werden, die polnische Geschichte wird aus den Lehrplänen gedrängt, und Beamte des Zaren wachen darüber, dass niemand zu stolz auf das ist, was er eigentlich ist. In diese Welt wird an einem Novembertag ein Mädchen geboren, das man Maria nennt, Maria Skłodowska, das jüngste von fünf Kindern in einer Familie von Lehrern.
Man muss wissen, dass Bildung in diesem Haus alles bedeutete. Der Vater unterrichtete Mathematik und Physik, die Mutter hatte eine Mädchenschule geleitet, und selbst als das Geld knapp wurde und die Familie enger zusammenrücken musste, blieb das Lernen der eigentliche Reichtum. Maria war ein außergewöhnliches Kind, von jener stillen, fast beunruhigenden Begabung, die Erwachsene ebenso staunen wie ratlos macht. Sie las früh, sie behielt, was sie einmal gehört hatte, und sie besaß eine Konzentration, die alles um sie herum verschwinden ließ. Doch ihre Begabung fiel in eine Zeit und an einen Ort, wo sie kaum etwas wert zu sein schien. Denn Maria war ein Mädchen. Und Mädchen durften in Warschau keine Universität besuchen. Die großen Hörsäle, die Laboratorien, die akademischen Titel – all das war für sie verschlossen, so selbstverständlich, wie eine Tür verschlossen ist, an die niemand auch nur zu klopfen wagt.
[sighs]
Wer die junge Maria kennenlernen will, stelle sie sich so vor: ein schlankes, ernstes Mädchen mit aschblondem Haar, das streng zurückgebunden ist, mit blasser Haut und grauen, aufmerksamen Augen, meist in einem schlichten, dunklen, oft schon abgetragenen Kleid. In diesem Kind steckte eine Sehnsucht, für die es in ihrer Heimat offiziell keinen Platz gab. Und so lernte sie im Verborgenen. In Warschau gab es damals etwas, das man später die Fliegende Universität nannte – geheime Kurse, die in privaten Wohnungen abgehalten wurden, für junge Frauen, die studieren wollten und es nicht durften. Man wechselte die Orte, man hielt die Namen zurück, denn wäre es aufgeflogen, hätte es Strafen gegeben. Bildung wurde hier zur Konspiration.
Doch heimliche Kurse in einer fremden Stadt ersetzen keine wirkliche Universität. Und eine wirkliche Universität, an der Frauen studieren durften, gab es – im fernen Paris. Nur kostete das Geld, das die Familie Skłodowski nicht hatte. Hier nun tritt Marias ältere Schwester Bronisława in die Geschichte, eine warmherzige, tatkräftige junge Frau, ganz im bürgerlichen Stil ihrer Zeit gekleidet, die Ärztin werden wollte. Zwei junge Frauen, zwei Träume, und Mittel nur für einen. Also schlossen die Schwestern einen Pakt, so schlicht wie kühn: Eine würde zuerst gehen, die andere würde arbeiten und bezahlen. Und wenn die Erste ihr Studium beendet hätte und im Beruf stünde, dann würde sie es umgekehrt tun und die Zweite nach Paris holen.
Maria zog das kürzere Los, oder besser gesagt, sie wählte es. Sie blieb zurück und nahm eine Stelle als Gouvernante an, weit draußen auf dem Land, in einem fremden Haus, wo sie die Kinder anderer Leute unterrichtete. Jahr um Jahr schickte sie einen Teil ihres kargen Lohns nach Paris, an Bronisława. Es waren einsame Jahre, in denen ihre eigene Zukunft auf Eis lag, in denen sie manchmal fürchtete, ihr Verstand könne einrosten, während sie wartete und wartete. [pauses] Aber sie hielt Wort.
Und hier stellt sich die Frage, die uns durch diese ganze Geschichte begleiten wird. Wie wird aus einem Menschen, dem alle Türen verschlossen sind – als Frau, als Angehörige eines unterdrückten Volkes, als Tochter einer verarmten Familie –, eine der größten Wissenschaftlerinnen, die je gelebt haben? Die Antwort begann in einer Dachkammer, viele hundert Kilometer entfernt, in der Stadt, von der Maria so lange nur hatte träumen können.
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