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Cover: Der letzte Winter im Hause Wolkonski

Geschichte

Der letzte Winter im Hause Wolkonski

Mit KI erzeugt
20. Jahrhundertca. 37 Min.

Petrograd, 1916: Während Grigori, ein junger Lakai, das Silberbesteck der Fürstin poliert und die strengen Regeln des Adelspalais an der Mojka befolgt, brodelt auf den eisigen Straßen draußen eine Welt am Rand des Abgrunds. Zwischen Brotschlangen, Schüssen und geflüsterten Geheimnissen erlebt er hautnah, wie ein ganzes Reich aus den Fugen gerät — und muss sich fragen, wem seine Treue in einer Zeit gilt, in der jede Gewissheit zerbricht.

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Silber und Kälte

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:44

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Schlummer

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Zum Mitlesen: Silber und Kälte

Der Schnee fiel über Petrograd, als hätte der Himmel selbst beschlossen, die Stadt unter sich zu begraben. Draußen, an der Mojka, kroch die Dezemberkälte durch jede Ritze, und selbst hier unten, im Souterrain des Hauses Wolkonski, wo die großen Öfen glühten, saß mir der Frost noch in den Fingern. Ich hieß Grigori und war neunzehn Jahre alt, hochgewachsen und hager, mit strohblondem Haar, das ich mir glatt zurückgekämmt hatte, wie es die Ordnung des Hauses verlangte. Meine Hände aber, das sah man gleich, waren Bauernhände, schwielig und derb, und sie wollten sich einfach nicht an die weißen Handschuhe der Livree gewöhnen.

An jenem Abend polierte ich das Silber. Ein Löffel nach dem anderen, ein Leuchter nach dem anderen, bis sie glänzten wie kleine Monde. Über mir, hinter Decken aus Stuck und vergoldetem Holz, gab die Fürstin ein Diner. Ich hörte das gedämpfte Klingen der Gläser, das leise Lachen der Gäste, das Scharren der Stühle auf dem Parkett. Zwei Welten, getrennt durch eine einzige Treppe: oben das Licht der Kronleuchter, unten der Geruch von Politur, Kohle und feuchtem Stein.

„Nicht so hastig, Grigori." Ossip Petrowitsch trat aus dem Schatten des Ganges, und ich richtete mich unwillkürlich auf. Der Haushofmeister war ein Mann von Ende fünfzig, untersetzt und würdevoll, mit dichtem grau-meliertem Haar, das ein sorgfältiger Seitenscheitel teilte. Sein buschiger Schnurrbart bewegte sich, wenn er sprach, und über seiner schwarzen Frackweste hing eine silberne Uhrkette. Er ging ein wenig steif an diesem Abend, das schmerzende Knie machte ihm zu schaffen, doch nichts an seiner Haltung ließ Schwäche zu.

„Das Silber der Wolkonskis wird seit vier Generationen auf dieselbe Weise poliert", sagte er und hob einen Löffel gegen das Licht. „Vom Griff zur Spitze, in einer Bewegung. Der Fürst Sergej Michailowitsch, Gott hab ihn selig, hätte einen Diener fortgeschickt für weniger." Er legte den Löffel zurück, beinahe zärtlich. „Ordnung, Grigori. Ordnung ist das Einzige, was uns von den Tieren trennt. Merke dir das."

Ich nickte und sagte, was man sagte: „Jawohl, Ossip Petrowitsch." Denn so war es Sitte in diesem Haus. Man widersprach nicht, man verbeugte sich, man diente. Und wer diente, der schickte am Ende des Monats ein paar Rubel ins Dorf, dorthin, wo meine Mutter und meine kleinen Geschwister auf jede Kopeke warteten.

Kaum war der Haushofmeister die Treppe hinaufgestiegen, um nach der Tafel zu sehen, huschte Dunja herein. Sie war siebzehn, klein und flink, mit kastanienbraunem Haar, das sie zu einem Zopf geflochten unter der weißen Haube trug. Ihre runden Wangen glühten, und ihre dunklen Augen leuchteten vor einer Neuigkeit, die zu groß schien für ihren kleinen Mund.

„Grigori", [whispers] flüsterte sie und beugte sich so nah heran, dass ich den Mehlstaub auf ihrer Schürze roch. „Hast du es gehört? Sie sagen, er sei tot. Rasputin. Der Wunderheiler."

Ich hielt inne, den Lappen in der Hand. „Wer sagt das?"

„Der Junge vom Fischhändler. Und die Köchin hat es auch gehört." Ihre Stimme sank noch tiefer. „In der Nacht sollen sie ihn umgebracht haben. Fürsten, heißt es. Vergiftet, erschossen und in die Newa geworfen. Der Mann, der der Zarin ins Ohr flüsterte, Grigori. Einfach fort."

[pauses] Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Der Name Rasputin war in diesen Tagen überall, wie ein kalter Wind, den man nicht sehen, aber überall spüren konnte. In den Küchen wurde von ihm geraunt, in den Salons, in den Brotschlangen. Und wenn selbst ein solcher Mann fallen konnte, dachte ich, was dann noch fest stand in dieser Welt?

Von oben klang das Lachen der Gäste herab, hell und sorglos, als gäbe es kein Frieren, kein Sterben an der Front, keinen Namen, der wie ein Riss durch das Reich lief. Dunja sah mich an, und für einen Augenblick lag etwas zwischen uns, das ich noch nicht benennen konnte. Dann griff ich wieder nach dem Silber und polierte weiter, [sighs] ohne zu ahnen, wie kurz die Zeit noch war, in der dieses Haus so glänzen durfte.

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