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Cover: Das Flüstern der Wahrscheinlichkeit – Wie die Quantenwelt unsere Gewissheiten aushebelt

Sachbuch

Das Flüstern der Wahrscheinlichkeit – Wie die Quantenwelt unsere Gewissheiten aushebelt

Mit KI erzeugt

Die kleinsten Bausteine unserer Welt gehorchen keinen festen Regeln, sondern nur Wahrscheinlichkeiten – und das ist kein Messfehler, sondern ein Naturgesetz. Was bleibt von unserer Vorstellung einer greifbaren Wirklichkeit, wenn Elektronen gleichzeitig überall und nirgends sind? Vera und Alexander führen durch eines der faszinierendsten und hartnäckigsten Rätsel der Physik.

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Ein Riss in der Gewissheit

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Zum Mitlesen: Ein Riss in der Gewissheit

Stell dir vor, du legst deinen Schlüssel auf den Küchentisch. Du gehst aus dem Haus, fährst zur Arbeit, kommst abends wieder – und der Schlüssel liegt genau da, wo du ihn hingelegt hast. Kein Zweifel. Kein „vielleicht“.

Es sei denn, jemand hat ihn verräumt.

[laughs] Gut, es sei denn, jemand hat ihn verräumt. Aber der Punkt ist: Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Dinge an einem festen Ort sind. Dass sie da sind, auch wenn keiner hinschaut.

Und das ist ja auch eine extrem vernünftige Annahme. Unser ganzes Leben funktioniert danach. Der Stuhl bleibt, wo er steht. Das Auto verschwindet nicht in der Garage und taucht woanders wieder auf.

Genau. Diese Welt der festen Orte und festen Dinge – die fühlt sich an wie der Boden, auf dem alles steht. Und heute geht es genau um die Frage, was mit diesem Boden passiert, wenn man ganz, ganz tief hineinzoomt.

Tiefer als das Auge. Tiefer als das Mikroskop.

Runter zu den kleinsten Bausteinen der Materie. Zu den Teilchen, aus denen alles besteht – auch der Schlüssel, auch der Tisch, auch wir beide.

Und da fängt es an, komisch zu werden.

Wie komisch?

So komisch, dass ausgerechnet die Bausteine unserer stabilen Welt sich nicht an die Regeln dieser stabilen Welt halten. Ein Elektron zum Beispiel hat, solange du nicht misst, keinen eindeutigen Ort.

Warte, noch mal von vorn. Es hat keinen Ort? Oder wir wissen den Ort nur nicht?

[pauses] Das ist genau die richtige Rückfrage – und sie ist der ganze Streit in einem Satz. In der klassischen Physik hätten wir gesagt: Der Ort ist da, wir kennen ihn bloß noch nicht. So wie beim verräumten Schlüssel.

Ich weiß nur nicht, wo – aber irgendwo liegt er.

So dachte man. Aber die Quantenmechanik behauptet etwas viel Radikaleres. Sie sagt nicht nur: Wir kennen den Ort nicht. Sie sagt, in gewissem Sinne: Es gibt vor der Messung gar keinen einen festen Ort. Nur Wahrscheinlichkeiten.

[exhales] Puh. Das ist ein Unterschied, der weh tut, oder?

Der tut weh, ja. Und ich will hier gleich sauber trennen, weil das durch die ganze Folge tragen wird: Dass die Rechnungen stimmen, ist keine Meinung. Die Quantenmechanik ist die am besten überprüfte Theorie, die wir je hatten.

Also die Vorhersagen treffen ein.

Auf viele, viele Stellen hinter dem Komma. Wovon wir bis heute streiten, ist etwas anderes: was uns das über die Wirklichkeit sagt. Was da draußen eigentlich ist.

Das finde ich fast das Aufregendste. Wir haben eine Theorie, die perfekt funktioniert – und trotzdem wissen wir nicht so ganz, was sie bedeutet.

Genau das ist der Riss. Die Mathematik ist glasklar. Die Deutung ist es überhaupt nicht.

Und der Riss geht ja nicht durch irgendein Randgebiet. Er geht durch unsere Grundannahme, dass die Welt eindeutig ist. Dass ein Ding entweder hier ist oder dort. Dass es entweder so ist oder anders.

Und dieser Boden bekommt einen Sprung, sobald du klein genug hinschaust. Auf einmal spricht die Wirklichkeit nicht mehr in klaren Ansagen, sondern nur noch in Chancen. In: „mit dieser Wahrscheinlichkeit dort, mit jener Wahrscheinlichkeit da“.

Und das ist die Frage, die ich mich durch die ganze Folge nicht loswerden möchte: Was bleibt eigentlich von der Wirklichkeit, wenn sie nur noch in Wahrscheinlichkeiten flüstert? Wenn Gewissheit sich in ein „vielleicht“ auflöst?

Und ob das ein Mangel ist – etwas, das wir noch nicht verstanden haben – oder ob es einfach so ist. Ein Naturgesetz.

Das kribbelt. Denn wenn das stimmt, dann ist Unsicherheit nicht das Ende des Wissens, sondern der Anfang von etwas ganz Neuem.

Und um dahin zu kommen, müssen wir bei dem Objekt anfangen, das diesen ganzen Bruch überhaupt beschreibt.

Bei einem einzigen mathematischen Ding, das nur noch Wahrscheinlichkeiten kennt. Und dann? Wie fing das an?

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