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Cover: Zwei Fragen weiter — Warum vergeht die Zeit im Alter schneller?

Sachbuch

Zwei Fragen weiter — Warum vergeht die Zeit im Alter schneller?

Mit KI erzeugt
Wissenschaft & Naturca. 32 Min.

Ein Kindersommer dauerte ewig, das letzte Jahr war im September schon vorbei — fast jeder kennt dieses Gefühl, und fast jeder hat eine Erklärung parat. Doch die naheliegendste Antwort greift zu kurz. Was das Gehirn wirklich mit Zeit macht, ist überraschender und aufschlussreicher, als die bequeme Rechnung vermuten lässt.

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Der Sommer, der nie aufhörte

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 3:37

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Der Sommer, der nie aufhörte

Ich hab neulich ein Foto von mir gefunden, so ein verwaschenes Sommerfoto, ich stehe mit nassen Haaren an einem Baggersee, und ich weiß noch genau, wie sich dieser eine Sommer angefühlt hat. Er war unendlich, Elias. Sechs Wochen Ferien, und das war ein halbes Leben.

[laughs softly] Ja. Ein halbes Leben ist genau das richtige Wort.

Am Anfang dieser Ferien, da lag der letzte Schultag so weit weg, als wäre er in einem anderen Jahrhundert gewesen. Und am Ende, im September, hatte ich das Gefühl, ich bin ein anderer Mensch geworden.

Und dann wird man erwachsen.

[sighs] Und dann wird man erwachsen. Weil, ehrlich — das letzte Jahr? Ich hab im Januar noch die guten Vorsätze aufgeschrieben, kurz mal weggeguckt, und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Wo war das dazwischen?

Weg. Einfach weg.

Und genau das ist die Frage, mit der wir diese allererste Folge aufmachen. Warum vergeht die Zeit, je älter wir werden, gefühlt immer schneller?

Und das ist so eine schöne Frage, weil sie fast jeder Mensch sofort versteht. Ich muss das keinem erklären. Ich sag einen Satz, und alle nicken.

Stimmt, ne? Ich hab noch nie jemanden getroffen, der gesagt hat: nö, bei mir wird die Zeit von Jahr zu Jahr länger.

[laughs] Das wäre auch ein Fall für die Forschung. Nein, wirklich — von Menschen mit zwanzig bis Menschen mit achtzig, du fragst, und du kriegst immer dieselbe Antwort. Die Jahre rasen. Und die Kindheit, die war riesig.

Warte, und das ist jetzt das Konzept unserer Sendung, deswegen heißt sie ja auch so. Wir nehmen so eine Alltagsfrage, die jeder kennt —

— und dann gehen wir zwei Fragen weiter.

Zwei Fragen weiter. Weil auf die erste Frage hat ja fast jeder schon eine Antwort parat.

Genau. Und das ist der Punkt, an dem ich schon jetzt kurz die Bremse reinhauen will.

Oh. Schon?

Schon. Weil, wenn ich diese Frage stelle — warum rast die Zeit im Alter — dann kommt bei den allermeisten Menschen sofort dieselbe Erklärung. Ganz automatisch. Und die klingt richtig gut.

Ich glaub, ich weiß sogar, welche du meinst.

Ich wette, du weißt es.

Das ist doch dieses Ding mit — ein Jahr ist, wenn du älter bist, nur noch so ein winziger Teil von deinem ganzen Leben. Und als Kind war ein Jahr ein riesengroßer Batzen.

Genau die. Und die ist so verführerisch, weil sie sich anfühlt wie Mathematik. Wie etwas, das einfach stimmen muss.

Und? Stimmt sie?

[exhales] Sie stimmt so halb. Und das „halb“ ist das Spannende. Sie ist nicht falsch, aber sie erklärt genau das nicht, worüber wir gerade reden.

Okay, das musst du mir erklären. Weil für mich klingt die gerade wie eine ziemlich abgeschlossene Antwort.

Klingt sie. Und deswegen bleiben die meisten Menschen genau da stehen. Sie sagen den Satz, nicken zufrieden, und die Sache ist erledigt.

Und wir bleiben nicht stehen.

Wir bleiben nicht stehen. Weil, wenn du diese Erklärung ein bisschen drückst, ein bisschen dran ziehst — dann fällt sie auseinander. Nicht ganz, aber sie hält nicht das, was sie verspricht.

Puh. Okay, jetzt bin ich neugierig. Also die Antwort, die alle geben, die jeder sofort im Kopf hat, die sich anfühlt wie eins plus eins ist zwei —

— die führt uns in die Irre. Zumindest ein Stück weit.

Dann lass uns die doch mal ganz ernst nehmen. Erzähl mir diese Rechnung, so richtig, als würdest du mich überzeugen wollen. Und dann guckst du mir in die Augen und zeigst mir, wo sie bricht.

Abgemacht. Fangen wir mit dem zehnjährigen Kind an.

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